Kalt-heißer Start in den Herbst.

Neue Presse im Sauna-Test: testet die eissauna bei youthconnection

Der Herbst kommt – Zeit, um den Kreislauf und das Immunsystem flottzumachen, Zeit für die Sauna. Doch in der muss man nicht nur schwitzen, der neueste Trend ist die Eissauna. NP-Redakteurin Britta Lüers hat beides getestet. Ein Temperaturunterschied von 260 Grad.


Wie fühlt sich ein Temperaturunterschied von 260 Grad an? Die NP macht den Sauna-Test.

Der Sauna-Test: Die Eissauna

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HANNOVER. Zwei Saunen, zwei Extreme: eine Eissauna gegen die klassische Sauna. Die NP hat den härtesten Temperaturtest gemacht – und Extreme zwischen minus 160 Grad und plus 100 Grad ausgehalten. Was bringen Bibberkälte und brüllende Hitze? Für wen ist welche Sauna geeignet? Ich muss gestehen: Ich mag es lieber sehr warm. Mit gemischten Gefühlen gehe ich zum Kältetest. Eissauna? Klingt nach Widerspruch. Fußball-Superstar Ronaldo ist nur ein Erfolgssportler, der längst auf das Gerät schwört und sich für 45 000 Euro seine eigene Kälte-Sauna ins Haus hat bauen lassen – um schneller zu regenerieren. Auch Per Mertesacker und Franck Ribéry sollen auf die Megakälte setzen. Und kein Trend, der nicht auch in Hollywood boomt: Demi Moore, Lindsay Lohan, Kate Moss. Sie wollen nicht regenerieren, sondern Cellulite verlieren und straffer werden. Bis zu 700 Kalorien schmelzen pro Anwendung. Der Ursprung stammt übrigens aus Japan, seit den 1980er Jahren wird die Eissauna auch im medizinischen Bereich angewandt.


Im Bikini steige ich in die Kabine, die einer Weltraumkapsel ähnelt. An den Füßen trage ich Socken und Fellschuhe. Simon Duckstein von Youth Connection im Ernst-August-Carree ist Betreiber von Hannovers erster Eissauna. Er erklärt: „Der kritischste Punkt bei der Anwendung sind die Füße. Durch Kondensation könnten sie erfrieren, darum müssen sie geschützt werden.“ Tut die Kälte weh, will ich noch wissen. „Nein, das ist ja trockene Kälte“, so der Betreiber. Über meinem Kopf läuft eine Digitaluhr: Zeit und Minusgrade werden angezeigt. Es sind minus 110 Grad. Meine Arme muss ich gekreuzt auf die Schultern legen und auf der Stelle treten. „Damit der Kreislauf nicht abfällt“, erklärt Duckstein, der Blickkontakt mit mir hält. Mein Kopf schaut aus der Kabine. Aus einem gewaltigen Tank strömt eisiger Stickstoff. Ich stehe dort eingehüllt in eiskalten Nebel. „Du hast minus 160 Grad erreicht“, sagt Duckstein. Die letzte Minute läuft. Auf meinen Beinen spüre ich 1000 Nadelstiche. So muss es sich anfühlen, wenn man in einen Eissee fällt. Aber es ist nicht schmerzhaft. Endlich sind drei Minuten Eiseskälte vorbei. Meine Beine sind gerötet, fühlen sich taub an. Ich fühle mich perfekt erfrischt für den Tag. Wer eiskalt aushält, schafft auch Siedetemperatur.

Wer sollte nicht frieren?

Nicht für jeden ist die Eissauna geeignet. „Wer schwanger ist oder an einer schweren Erkrankung leidet, sollte auf die Minus-160-Grad-Anwendung verzichten“, erklärt Betreiber Simon Duckstein. Auch Diabetiker und Magersüchtige zählen zur Risikogruppe. Grund: Bei der dreiminütigen Behandlung (max. 50 €) verbraucht der Körper bis zu 700 Kalorien. Duckstein: „Bei Diabetikern könnte es zur Unterzuckerung kommen.“ Die Kältesauna sorgt für eine erhöhte Ausschüttung von Glückshormonen, wirkt antidepressiv und reduziert Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Gelenkschmerzen. Duckstein: „Sportler schwören drauf, weil Muskeln schneller regenerieren.“


Der Sauna-Test: Die See-Sauna

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Fünf Minuten will ich es in der See-Sauna im Aqua-Laatzium aushalten. 100 Grad. Es ist derzeit die heißeste der insgesamt zehn Saunen. Schön warm, denke ich, als ich mich auf die mittlere Holzbank setze. Saunameister Hans Peter Brockmöller beginnt mit dem Birken-Aufguss. Siebenmal pro Tag macht er das. Dazu taucht er getrocknete Birkenzweige in einen Birkensud, der täglich frisch zubereitet wird, und gießt ihn auf die heißen Saunasteine. Es dampft. Dann tritt Brockmöller vor mich: Er wedelt gekonnt mit den Birkenquasten vor meinem Gesicht. Eben noch angenehm, ist die Temperatur jetzt schneidend heiß, die Luftfeuchtigkeit enorm. Wie warm ist es nun? „Das Hitzeempfinden der Luftfeuchtigkeit empfindet jeder anders und kann daher nicht gemessen werden“, so Brockmöller. Viermal wiederholt der Saunameister das Prozedere. Mein Gesicht ist knallrot, ich schwitze extrem und rieche Tee. Brockmöller: „Das kommt vom Birkensud. Der ist übrigens die beste Haarkur.“ Nach fünf Minuten habe ich mein Hitzelimit erreicht. Bloß raus. Brockmöller: „Immer rausgehen, wenn man anfängt, sich unruhig zu fühlen.“ Draußen dampft mein Körper nach. „Willst du kneipen“, fragt der Saunameister. Und im nächsten Moment stehe ich unter eiskaltem Wasser. Von 100 Grad ganz schnell auf Körpertemperatur abgekühlt. Heiß und kalt sind manchmal eben nah beieinander.

Wer sollte nicht schwitzen?

„Wer gesund und fit ist, der kann auch in die Sauna gehen. Selbst für Babys sind milde Saunagänge gut“, sagt Fihht Langhorst, Saunaleiter im Aqua-Laatzium. Doch es gibt auch eine Reihe von Erkrankungen, bei denen man draußen bleiben sollte: „Bei Fieber hat man nichts in der Sauna verloren“, warnt Langhorst, „es besteht die Gefahr, dass sich der Herzmuskel entzündet.“ Rheumatiker sollten nur in den entzündungsfreien Intervallen in die Sauna gehen. Auch bei akuten Nierenerkrankungen sollte die Sauna tabu sein, ebenso bei Entzündungen der Haut, der inneren Organe oder der Blutgefäße. Und auch Menschen mit Herzproblemen gehen beim Saunabesuch ein Risiko ein.



Der Artikel ist am 18.09.2015 erschienen in der Neue Presse.

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