GQ: Schweiß egal

GQ Schwitzen Schweißtherapie
Achselflecken im Businesshemd und Schwitzefahne dank Winterpulli? Hab ich abgeschafft! Behandlungen beim Arzt, neue Produkte, fragwürdige Trends - unser Care Experte Constantin Herrmann testet alles bis zu Selbstaufgabe und darüber hinaus.

Schweiß egal!

Jeder Mensch besitzt bis zu drei Millionen Schweißdrüsen, die den Körper kühlen. Auch im Winter, unter dicken Pullis oder in überheizten Konferenzräumen. Das sieht man vielleicht und riecht man wahrscheinlich. Zumindest in meinem Fall.

Das geht soweit, dass ich in vollen Räumen oder in einem Aufzug befürchte, dass alle um mich herum am liebsten verduften möchten. Kleiner Side-Gag der Evolution: Die für die Schweißfahne verantwortlichen Duftdrüsen legen richtig los, wenn man gestresst ist. Wer also Angst hat zu stinken, schwitzt noch mehr.

Oder in meinem Fall, schwitzte. Vergangenheitsform. Denn ich war im deutschen Hyperhidrosezentrum zur Behandlung. Da gibt es sowas wie eine Mikrowelle to go: "miraDry" nennt sich das Verfahren, bei dem in einer guten Stunde die Schweißdrüsen in der Achsel gegrillt werden.

Erst wird das Areal mit Spritzen betäubt, das pikt kurz, aber sonst verläuft die Prozedur schmerzfrei Dann setzt der Arzt ein pistolenartiges Handstück abschnittsweise an und schießt Thermowellen in das Gewebe. Dadurch entsteht ein Hitzeimpuls, der Schweiß- und Geruchsdrüsen dauerhaft vernichtet.


Klingt martialisch, man spürt aber, wie erwähnt, nichts. Das Gewebe schwillt im Anschluß für ein paar Tage etwas an und wird druckempfindlich. Aber ich merke sofort: Alles bleibt trocken. Kein Schweiß, kein Geruch. Nie wieder. Mein Deodorant habe ich am selben Tag rituell in den Müll geworfen.


TEXT erschienen in GQ, Dezember 2016


Schweißtherapie, MiraDry, Bild der Frau, Hannover
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